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Klimaschutzziele beim Wohnen unrealistisch?

Eine Studie des BDEW hält die gesetzlichen Klimaschutz-Ziele im Gebäudebereich im gegenwärtigen Tempo für unerreichbar und plädiert für eine "Wärmewende" durch einen großflächigen Heizungsaustausch. Doch ohne Beschleunigung der energetischen Gebäude-Sanierung wird die CO2-Minderung nicht gelingen.

So sieht das Wärmewende-Zukunftsszenario des BDEW aus. Die Grafik stammt aus der beschriebenen Studie.

Ein im Februar 2022 erschienenes Gutachten des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) über "Erreichbare Treibhausgasminderungen unterschiedlicher Wärmeversorgungsoptionen im Gebäudesektor bis 2030", über das die Re!source-Stiftung aktuell berichtet, kommt zu dem Schluss, dass die Ziele des Bundes-Klimaschutzgesetzes aus dem Jahr 2021 im Gebäudesektor nur noch in einem sehr optimistischen Szenario erreichbar wären. Wenn man allerdings die aktuellen Rahmenbedingungen und eine immerhin steigende durchschnittliche Sanierungsrate von 1,4 Prozent pro Jahr zugrundelegt, würde das Ziel einer Reduktion auf 67 Mio. Tonnen CO2-Äquivalent im Jahr aus dem Gebäudesektor bis 2030 weit verfehlt. Statt wie im Gesetz vorgesehen 53 Mio. Tonnen könnten ohne dramatische Verbesserung der Rahmenbedingungen bestenfalls 20 Mio. Tonnen Reduktion erreicht werden. 

Klimaneutrale Heizsysteme könnten zum Ziel führen...

Und selbst diese Verbesserung scheint aus der Reichweite zu geraten, nachdem sich die Ampelregierung aktuell beim so genannten "Osterpaket" nicht, wie geplant, auf eine Verschärfung der Effizienzanforderungen im GEG (Gebäudeenergiegesetz) einigen konnte. Die war aber im BDEW-Gutachten noch eingepreist. Somit bestehen für Endkunden bis 2030 nicht genügend ökonomische Anreize, ihre Wärmeversorgung ausreichend in Richtung Klimaneutralität umzustellen und damit fossile Energieträger zu verdrängen. Zwar postuliert die BDEW-Studie die Möglichkeit, das im Gesetz vorgegebene CO2-Reduktionsziel bis 2030 durch klimaneutrale Heizsysteme - Wärmepumpe, Hybridheizung aus Wärmepumpe und Gaskessel, dekarbonisierte Nah- und Fernwärme sowie Gas-Brennwertheizungen mit dekarbonisierten Gasen - zu erreichen. Dies gelinge jedoch nach seiner Auffassung nur im Zusammenspiel aller Systeme, klimaneutralen Heizenergieträger und Infrastrukturen, um der Vielschichtigkeit des Gebäudesektors gerecht zu werden. 

...wenn zahlreiche Vorbedingungen erfüllt sind

Dafür müssten aber auch ausreichende und zunehmend klimaneutral erzeugte Mengen Strom bereitgestellt werden, was einen sehr schnellen Hochlauf von Wind- und Solarenergie erfordert, es braucht die Erschließung erneuerbarer Wärmequellen und Abwärme für Nahwärmenetze und die Erzeugung und den Import erneuerbarer und dekarbonisierter Gase wie Wasserstoff für bestehende Gasinfrastrukturen in ausreichenden Mengen und zu wettbewerbsfähigen Preisen. Eine sektorübergreifende Treibhausgasminderung durch den Zubau von Wärmepumpen und Wärmenetzanschlüssen könne nur durch einen ambitionierten Ausbau der erneuerbaren Strom- und Wärmeerzeugung gelingen. Deshalb fordert der BDEW eine Fördersystematik, welche die unterschiedlichen Anforderungen der vielzähligen Adressaten des Gebäudesektors berücksichtigt und eben das ganze Technologiespektrum staatlich anreizt - insofern eine Kritik am Wirtschaftsministerium, das die Förderung auf die Wärmepumpentechnologie konzentrieren will.

natureplus sieht die Priorität auf der Bausubstanz

Auch wenn bei der notwendigen "Wärmewende" das Interesse des BDEW naturgemäß auf der technischen Infrastruktur liegt, kommt der Verband auch nicht umhin zuzugeben, dass es eigentlich viel effektiver wäre, in die energetische Sanierung zu investieren, weil sich etwa Wärmepumpen nur in recht energieeffizienten Gebäuden rechnen. Warum sollte der flächendeckende Heizungsumbau leichter gelingen als eine deutliche Steigerung der Sanierungsrate? Hier wie dort sind die ökonomischen Rahmenbedingungen durch Rohstoffverknappung, Preissteigerungen und Lieferketten aktuell ungünstig. "Nur wenn die benötigten Mengen an Wärmeenergie sinken, kann man sie auch effektiv mit klimaneutraler Technik erzeugen", plädiert deshalb natureplus-Geschäftsführer Tilmann Kramolisch für eine Investition vorrangig in die Gebäudesubstanz. Wenn die Sanierung dann noch mit nachhaltigen und klimapositiven Baustoffen wie beispielsweise Holz und Lehm erfolgt, kann selbst mit reduziertem Technikeinsatz ein Schritt in Richtung Klimaneutralität des Gebäudebestandes gelingen.

Verbesserte Fördersysteme 

Eine wesentliche Ursache für die nach wie vor bei einem Prozent pro Jahr verharrende Sanierungsrate ist nach Erkenntnis des BDEW, dass zu wenig ökonomische Anreize und zu viele Hürden für Endkunden bestehen, ihre Wärmeversorgung zielkonform umzustellen. Hinzu kämen Umsetzungsprobleme wegen des Fachkräftemangels. Auf der anderen Seite gehe der Ausbau dekarbonisierter Energieträger zu langsam voran. Eine höhere Sanierungsrate in dem sehr heterogenen Gebäudebestand – die Prognosen der Studie bauen auf zwölf Gebäudeclustern mit insgesamt 21,6 Mio. Gebäuden auf – sieht der BDEW nur über deutlich verbesserte Fördersysteme machbar.

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